UI-Design: Individualisierung durch Interaktion
Es geht mir im Moment um das Neudesign der Website des Purpur in Aschaffenburg, das die nächsten Tage und Wochen anstehen wird.
Das Design der Website soll, um Stimmung zu transportieren, sehr bildlastig werden. Für das Design entstand ein erster Entwurf, der im Groben auch abgenickt wurde und mit kleineren Modifikationen zum Einsatz kommen wird.

Eine größere Darstellung gibt es hier.
Aber…
Im Gespräch heute kamen dann Punkte auf, die das große Aber heraufbeschworen.
Obwohl es im Grunde bildlastig werden soll, sollen doch etliche Inhalte eingefügt werden, die so noch gar nicht angedacht waren. Ich will die Inhalte mal kurz aufführen:
- Startseite
- News
- Chillen (also so oriental-mood-Geschichten, Shisha rauchen, etc.)
- Geniessen (Essen und Trinken, mit Angebot)
- Events (Bauchtanz-Shows, Feiern…)
- Galerie (viele schöne Bilder)
- Oriental Lifestyle (Musik, Rezepte, Empfehlungen…)
- Schaufenster (was es im Purpur alles zum Kaufen gibt: Shishas, Tabak, Deko…)
- Links (zu den anderen Gaststätten des Besitzers, Bauchtänzerinnen…)
- Online-Reservierung
- Kontakt
- Impressum
Dem Ganzen soll zudem noch eine Opener als Intro vorgeschaltet werden.
Das klingt nach weniger als es am Ende wird. Zumal sich mir ein Problem eröffnete, das sich so noch nie als Problem zeigte.
Da die Seitenaufteilung durch viel Bildfläche recht wenig Freiraum für gesteuerte Wahrnehmung übrig lässt, ist die Frage, was in den Fokus des Besuchers gerückt werden soll?
Die chilligen Möglichkeiten, die orientalischen Köstlichkeiten, das prima Ambiente für jegliche Arten des Feierns? Oder doch eher das reichhaltige Angebot an Merchandising und Events? Oder doch nur die nächsten Bauchtanz-Termine oder die direkte Möglichkeit der Reservierung?
Da die Bedürfnisse und Erwartungen dessen, der einmal im Purpur Essen war und jetzt seinen Geburtstag dort feiern will, sich stark von dessen unterscheidet, der nach Feierabend nur mal die Füsse in den Sand stecken und bei einer Shisha relaxen will. Bedenken wir noch die generell Oriental-Affinen, die regelmäßig zu den Bauchtanzshows kommen und jede Bauchtänzerin mit Vornamen kennen, dann wird die Besucherschicht noch heterogener.
Normalerweise könnte man für jeden der Besuchertypen die Seite bzw. zumindest die Startseite und die Navigation anders gestalten. Die klassischen Portalseiten haben deshalb schon vor langer Zeit damit angefangen, den User selbst über das Layout der Startseiten entscheiden zu lassen.
Bei Seiten mit regelmäßigen Wiederbesuchen macht das Handling durchaus Sinn, z.B. bei Webmail-Portalen oder Foren. Da der User nach dem Einloggen bekannt ist, kann ihm seine Starseite individuell erstellt werden. Der User muss nur einmalig seine Präferenzen bekanntgeben, danach bleibt es dabei. Die Lösung dafür geht entweder über eine Datenbank oder über Cookies.
Was macht man aber mit dem gemeinen, anonymen User? Die Frage nach seinen Präferenzen beim Erstbesuch finde ich persönlich als übertrieben, gar unangebracht. Ihm die Entscheidung zur Individualisierung zu überlassen (”Möchten Sie das Layout der Seite Ihren Bedürfnissen anpassen..?”) führt nur zu einem Aktionsbruch beim Besuchen und birgt mehr Nachteile als Vorteile. Also was bleibt als mögliche Lösung?
Spieltrieb und unterschwellige Informationsfindung.
Da die Website durch einen Opener betreten werden soll, bietet sich einzig dort die Möglichkeit, die notwendigen Informationen für eine Indivdualisierung zu erhalten, bevor die eigentliche Seite betreten wird. Um nicht plump nach Informationen fragen zu müssen, könnte man den natürlichen Spieltrieb des Menschen ausnutzen und daröber die Präferenzen herausfinden.
Ich lass das mal kurz sacken und komme jetzt zur Detail-Lösung.
Wenn ich die möglichen Besucher typisieren könnte, z.B. den Chiller, den Feierer, den Orientalen, den Ausgeher, den Gourmet, etc., dann ergeben sich automatisch verschiedene Präferenzen.
Zum Beispiel, etwas vereinfacht:
- Chiller: “Ich will Chillen, Tee trinken und Shisha rauchen”
- Feierer: “Ich will feiern, Essen, Trinken und Entertainment”
- Orientale: “Ich will Entertainment, Essen und Shisha rauchen”
- Ausgeher: “Ich will Trinken und Shisha rauchen”
- Gourmet: “Ich will Essen und Trinken”
Aus den einfachen Bausteinen Essen, Trinken, Chillen, Feiern, Entertainment und Shisha ließen sich die Präferenzen kanalisieren und demnach die Seite aufbauen. Beispielsweise ist für den Ausgeher das Thema Feiern und Merchandising weniger nachhaltig, für den Gourmet das Entertainment und das Shopping, wohingegen Entertainment und Reservierung für den Orientalen von höchster Relevanz ist, für den Chiller dagegen überhaupt nicht.
Wenn der User also die Textbausteine spielerisch nach seinem Gusto aneinanderreihen könnte, wäre eine Individualisierung möglich, die dem User bei gelungener Integration sogar verborgen bleiben würde, sprich er die Individualisierung gar nicht mitbekommen müsste.
Dazu müsste man sich nur eine beschränkte Anzahl an Kombinationsmöglichkeiten überlegen, die den einzelnen Typen entspricht.
Damit wäre trotz beschränkten Platzangebots eine klare Führung des Besuchers möglich und er würde zielgerichtet die Schwerpunkte gesetzt bekommen, die für ihn relevant sind.
Die technische Umsetzung hingegen kann je nachdem schon etwas problematischer werden.
Da der Opener so oder so eine Flash-Animation werden soll, könnte mit ein wenig ActionScript die Spiellösung gebaut werden und daraus ein spezieller String an die Startseite weitergegeben werden, der die Aufteilung der Seite veranlasst. Die Verwertung des Strings müsste idealerweise über PHP erledigt werden. Die Reihenfolge der Inhalte (z.B. in der Navigation) und die gewichtete Anordnung der Elemente könnte leicht über CSS vorgenommen werden.
Allerdings werden Kleinigkeiten bei Konformität, Accessibility und Cross-Browser-Kompatibilität schon den Spaß daran verderben…
Update:
Zeit ist Geld und wenn das Geld beschränkt ist, kann auch nicht ewig viel Zeit investiert werden. Von daher ist das Projekt in Verbindung mit der Purpur-Website erstmal gestorben.







