Über meine Arbeit
Unsere Werbeagentur boomt.
Es scheint, als wären die vergangenen zehn Jahre, die ich dort hinein investiert habe, nicht umsonst gewesen. Inzwischen ist es nicht mehr die Sorge um Arbeit, sondern eher die Sorge um das Fertigstellen der ganzen, himmelvielen Arbeit, die einen häufig beschäftigt.
Dabei haben wir zur Bewältigung der ganzen Arbeit eine gute Arbeitsteilung: mit Alex zusammen schmeiße ich die Abteilung Webdesign, mit Lisa zusammen die klassische Werbung, mit meinem Chef (und Erzeuger) mache ich die Rechnungsstellung und Kundenbetreuung und zusammen mit Achim und Michael noch die Kundenakquise, Angebotserstellung. Konzepte entstehen zeitlich irgendwo dazwischen und mit Hilfe vom Chef und von Achim. Fällt nur mir auf, das an dieser Arbeitsteilung irgendwas nicht ganz passt…?
Wenn man dazu noch meinen Arbeitsplatz betrachtet, läßt sich vielleicht ermessen, dass ich offensichtlich genug zu tun habe. Und ja, man kann 3 Rechner bedienen. Nicht gleichzeitig, aber sequentiell. Je nachdem was man gerade braucht oder macht. Oder vorzugsweise auch während ein Rechner arbeitet und damit blockiert ist.
Obwohl ich die meiste Zeit arbeite, küßt mich ab und an die Muse und ich nehme mir Zeit um an Sachen zu arbeiten, für die ich von niemandem bezahlt werde. Aber weil ich nicht (immer) ein Höriger des schnöden Mammons sein will, ist es für mich Freude und Genugtuung zugleich, für Freunde, Bekannte oder einfach der Sache selbst wegen ein wenig meiner geringen Freizeit mit Arbeit zu füllen.
Meisthin handelt es sich dann um Graphikdesign im Allgemeinen, Webdesign oder auch -programmierung… und mit zunehmender Begeisterung um Photographie, wofür mich aber sicherlich niemand bezahlen wollen würde.
Meine letzten Werke bei Flickr im Set Arbeit…
Als unfreiwilliger Workaholic, der sich mit nur 50 Stunden pro Woche schon unwohl fühlt (passiert ja aber eigentlich nie), dreht sich fast alles im Leben nur um Arbeit. Wenn die Freizeit, selbst wenn nur unterschwellig, auch durch Arbeitsnähe geprägt ist, leiden unglücklicherweise viele Aspekte der Arbeit unter genau diesem Umstand:
- Keine Perfektion Es besteht letztlich keine Chance mehr, um etwas perfekt zu machen. Die Zeit ist dabei der absolut limitierende Faktor. Entweder warten schon die nächsten Projekte oder es ist wirtschaftlich einfach nicht vertretbar, noch mehr Zeit in dieses eine Projekt zu stecken. Was wäre es schön, ohne finanziellen Druck arbeiten zu können. Mal ganz davon abgesehen, dass die Tage einfach zu kurz sind…
- Kaum Weiterentwicklung Die Fortbildung und Weiterentwicklung des eigenen Könnens wird ebenfalls ein Opfer der Zeit. Letztlich bleibt nur in der verbleibenden Freizeit die Möglichkeit, sich mit neuen Technologien und Konzepten auseinander zu setzen. Einem Kunden kann ich für ein “Jugend trainiert für Olympia”, vulgo Learning-by-doing, schließlich kein Geld abknöpfen.
- Kaum kreative Pausen Egal auf welchem Gebiet ich tätig werde, folgt die Reihenfolge einem meist strigenten Muster: Konzeption, Kreation, Umsetzung. Beim normalen Design plant man erst das was, wo, wie und wieviel, um dem anschließend eine möglichst kreative Verpackung zu bauen. Danach wird genau dies in gutem, alten Handwerk umgesetzt. Beim Webdesign ist es ähnlich: Konzept, Design, Programmierung. Und während am letzten Projekt noch umgesetzt wird, ist man schon wieder mitten in der Konzeptionierung des nächsten. Somit hat man letztlich keine Zeit mehr, um sich Ruhe zu gönnen, Inspiration zu holen oder einfach Abstand zu gewinnen. Wohl dem, der es versteht während dem Handwerk, den Geist pausieren zu lassen (ohne deshalb Fehler zu machen, versteht sich)
Aber Hauptsache, es macht noch Spaß. Oder es befriedigt irgendwie anderweitig. Und wenn man nach einer 65 Stunden-Woche dem Wochenende entgegeneilt, sich mal wieder um seinen Blog kümmern kann und auch mal wieder Zeit für Normales findet, dann passt es dann doch wieder.








