Kollege Sascha berichtet über den Lapsus der stern.de-Redaktion, nach dem die Halterin von vier “Kampfhunden” eingeschläfert wurde. Leider nur ein Lapsus. Aber dann reüssiert er scharf wie immer.
Nachdem die vier Hunde die Nichte der Halterin totgebissen hatten, wurden sie vom Amtstierarzt eingeschläfert und nun schreien alle “Kampfhund” und fordern härtere Gesetze gegen ebensolche.
Nun, Hunde sind fleischfressende Säugetiere, wie der Mensch auch. Und ähnlich verhält er sich auch.
Mit guter Erziehung, ausreichender Sozialkompetenz und einem passablen Umfeld wird aus ihm kein Killer. Das gilt auch für den Hund. Lassen wir die vereinzelten Individuen auf beiden Seiten einmal außen vor, die aufgrund irgendeiner Veranlagung, von mir aus auch genetisch, ein hohes Aggressionspotential und asoziales Verhalten aufweisen.
Der Mensch besitzt eine Gesellschaft mit gewissen Werten, die aus der Kultur geboren sind, und die von den Älteren an den Nachwuchs weitergegeben werden. Der Hund, kollektiv als Rasse betrachtet, ist da nicht ganz so weit. Nix große Gesellschaft mit ausgewiesener Kultur. Vielmehr intuitives Sozialverhalten, wie es von den Rudelführern an die anderen weitergegeben wird.
Nun nehme man vier Kinder und sperre sie in kontrollierte Verhältnisse weg und gebe ihnen in einem Mindestmaß Ausbildung und soziales Verhalten mit. Ich behaupte einfach mal, dass es, egal ob Hundekinder oder Menschenkinder, kein allzu gutes Ende nehmen wird. Unterdrückung und erzwungenes Verhalten resultieren in beiden Fällen in Aggression und sozialer Inkompetenz. Wenn dann noch, da sonst nichts da ist, ein starkes Gruppengefühl aufkommt, in dem soziales Verhalten nur an den Gruppenmitgliedern ausgerichtet ist, dann passieren eben Katastrophen.
Es gibt Hunde, die aufgrund ihrer Physis gefährlicher sind als die Rhekersche Französische Bulldogge, es gibt auch Rassen, die von Natur aus eine größere Aggression, z.B. in Form von stärkerem Jagdtrieb, Rudeltrieb etc. aufbringen als andere. Aber dennoch bleibt es dabei: das Umfeld macht aus einem Hund einen gefährlichen Hund. Punkt.
Die Hunde in meinem Umfeld, von meinen Zwei angefangen, über ihre 8 besten Kumpel, hin zu den ca. 25 guten Freunden… da sind alle Rassen und Größen vertreten und dennoch verstehen sie sich glänzend. Weil es ein gutes soziales Umfeld gibt, sie alle Menschen als Rudelführer haben, die gut zu ihnen sind. Und dennoch würde ich auch da kein kleines Kind in die Mitte setzen. Denn wenn nur einer anfängt rumzustänkern, könnten die anderen trotzdem mitmachen. Und das gilt auch für Französische Bulldoggen: einer alleine ist nicht das Problem, in der Gruppe sieht das schon anders aus. Vier Franz. Bulldoggen bringen einen zwar nicht um, aber den Grund zum Einschläfern liefern sie auch.
Und da sind wir wieder an dem Punkt von Herrn Rheker: warum die Hunde gleich einschläfern? Nun, klar könnte die Forensik mit lebenden Hunden mehr anfangen und die eigentlichen Ursachen erkunden. Hundepsychologen könnten ergründen, ob es das Umfeld oder die Genetik war, dem man die Schuld zuweisen kann. Aber das will ja keiner. Dem Hund würde ja niemand mehr trauen und dann werden sie lieber umgebracht als sich mit ihnen zu beschäftigen. Auch das ist halt echt menschlich…
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