… jeder Kunde denkt, dass sein Problem das wichtigste ist, dann weißt Du, dass Du den falschen Job hast oder Du die Kunden falsch erzogen hast.
Zur Ausgangslage sei gesagt, dass ich im Moment echt genug zu tun habe. Letzte Woche, an sechs Tagen, 74 Stunden gearbeitet. Neben Unmengen Kleinkram das neue Magazin auf den Weg gebracht und am Samstag 80 Motive von Mädels in Bikinis fotografiert… eine durchaus kurzweilige Woche und nur an einem Abend vor 22 Uhr aus dem Büro rausgekommen.
Dass ich trotz dieser Intensität nicht reich werde, sollte hinlänglich bekannt sein. Im Gegenteil, im Moment will jeder nur Geld von mir: die Bank, das Finanzamt, die Gemeinde, der Steuerberater, die Heizung müsste mal überarbeitet werden und die Heizöltanks sind auch kurz vor der Trockenlegung. Wenn mir heute jemand 10.000,- € schenken würde, wären sie morgen weg und ich hätte mir selbst noch nichts gönnen können.
Und während die einen nur mein Geld wollen, wollen andere nur meine Zeit, genauer meine Arbeitszeit, meine Arbeitsleistung. Da sollte man meinen, dass es sich hierbei um einen glücklichen Zufall handelt, denn stehen Leistung und Entlohnung doch normalerweise in einem kausalen Zusammenhang. Man leistet und dafür wird man entlohnt. Aber nein, was ist denn auch schon normal…?
Mal davon abgesehen, dass jeder meiner Kunden der Meinung ist, dass sich die Welt nur um ihn dreht und seine Probleme und Schmerzen die einzigen auf diesem Planeten sind, so mangelt es mir v.a. eindeutig an der Wertbemessung anderer Menschen, respektive meiner, Leistung. Wenn jemand der Meinung ist, dass ich mich jetzt sofort um seine Probleme zu kümmern habe, und das immer sobald er sich meldet, dann geht das einfach nur, wenn ich dafür entsprechend Geld bekomme, denn dann kann ich neben diesem Kunden nur noch zeitlich unkritischen Kleinkram erledigen. D.h. aber bei einer Firma wie unserer, dass ich von diesem Kunden gut und gerne 4000,- im Monat bekommen müsste. Den Rest kann der Kleinkram erledigen. Wenn der Kunde aber im Jahresmittel maximal 800,- € Umsatz im Monat bringt, dann geht das halt nicht. Einzig der Kunde, stellvertretend für alle Kunden, versteht das einfach nicht. Denn betriebswirtschaftliche Grundregeln gelten natürlich für das Kundenunternehmen, aber nicht für das des Dienstleisters.
Natürlich verstehe ich einen Kunden, der für eine bescheuerte Anzeige im Amtsblatt 40,- Euro ausgibt und für die Gestaltung der Anzeige nicht nochmal das gleiche ausgeben will. Aber sorry, wenn ich eine halbe Stunde brauche, dreimal telefonieren muss, drei E-Mails verschicken darf, weil es noch zwei Änderungen gibt, und das Ganze Freitag Nachmittag um vier, weil um fünf Druckunterlagenschluss von dem stinkigen Blättchen ist, dann sind 40,- € verdammt nochmal geschenkt. Wenn ich dafür auch noch wichtige, richtige Arbeit unterbrechen muss, dann wäre das Doppelte noch geschenkt.
Tja, und dann sind da dann bevorzugt montags noch die Kunden, die sich wundern, warum Montag früh die Aufrräge, die sie freitagmittags erteilt haben, noch nicht erledigt sind. Normalerweise bin ich da ja gar nicht so. Samstage hau ich mir ja des öfteren (eigentlich andauernd) um die Ohren, um für irgendwen irgendwas zu erledigen… um für ihn oder sie fröhliche Umsätze und Erträge zu erzielen… während ich mir gleichzeitig noch Gedanken um nicht bezahlte Rechnungen machen kann. Noch schöner wird es, wenn Kunde im Urlaub war und dann frisch ausgeruht zurückkommt und der Meinung ist, dass ich ja jetzt all seine Ideen sofort (und idealerweise für lau, denn der Urlaub war ja teuer) umsetzen kann…
Nein. Schluss. Aus. Akku leer, Schnauze voll. Ich hab nur ein Leben und ich kann mir keine Summe vorstellen, für die ich es an irgendjemand anderen verkaufen würde. Aber 40,- € sind definitiv schonmal 6 Stellen zu wenig. Meine Wochenenden sind mir, der Feierabend wird auch wieder eingeführt. Wenn etwas nicht fertig und erledigt wird, dann soll Kunde hingehen, wo er will. Wenn ich den Job, den ich eigentlich mal ziemlich gern gemacht habe, hinschmeisse, dann muss er auch woanders hin. Und ich bin (mal wieder) an einem Punkt angelangt, an dem ich kurz davor bin.
Ich habe Menschen und Tiere, die meine Zeit wollen und denen ich Zeit geben will. Ich habe Hobbies, die mir Spaß machen und deren Ausübung mich begeistern kann. Und ich werde nicht jünger. Noch wenige Monate und ich werde 35 und die letzten 10 Jahre sind an mir vorbeigeflogen, weil ich sie vor lauter Arbeit, lauter Machen und Tun, nicht mal mitbekommen habe.
Die nächsten Tage werde ich einige Kunden zum Teufel jagen, der Erste musste es gestern schon erleben, und manch Anderen vor die Wahl stellen: Zahlen oder Lassen. Um Zeit und Energie zu verschenken, ist mir beides zu eng bemessen…
Ich könnte mich jetzt noch Stunden lang darüber auslassen und aufregen, aber selbst dafür ist mir die Zeit zu schade.
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