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Formfaktor und Nackenschmerz

Wie es hier ja schon häufiger Erwähnung fand, bin ich der anaolgen Photographie nicht abgeneigt, bzw. gehöre ich eher zu den wenigen, die die Reize und Vorteile (bei allen Nachteilen) des Analogen schätzen. Deshalb und wegen einem kürzlichen aktuellen Anlass mal ein kleiner Vergleich zweier ungleichen Gleichen…

Ich gehöre zu den Glücklichen, die zwei 700er ihr Eigen nennen:
einer Nikon D700 und einer Minolta X-700. Die Eine digitales Vollformat und noch eine der aktuellen (Semi-)Pro-Boliden von Nikon und die Andere zur Markteinführung 1981 das Top-Modell der manuell zu fokussierenden SLRs von Minolta. Beide sind aufgrund ihrer Fähigkeiten (zeitbereinigt) durchaus miteinander vergleichbar.

Natürlich ist das wie Äpfel und Birnen vergleichen. Oder einen Mercedes 300 SL von 1958 (damals der Sportwagen überhaupt) mit einem Porsche 911 Turbo Jahrgang 2009. Das Moderne schlägt absolut betrachtet immer das Alte. Aber: was früher gut war ist immer noch gut. Nur gibt es inzwischen eben Besseres (oder gänzlich Anderes). Und auch wenn uns die Marketingabteilungen weltweit einreden wollen, dass nur das Neueste gut ist und das Ältere schlecht, nein, Gut bleibt Gut und wird höchstens durch Besseres übertrumpft.

Aber es gibt halt auch beim Besseren negative Aspekte. Zurück zu den 700ern. Hier mal ein unfairer Vergleich:

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Die Küchenwaage lügt nicht. Die D700 mit einer Standardfestbrennweite (50 1/1.4) wiegt ziemlich genau doppelt so viel, wie die X-700 mit einem 50 1/1.7:

1.5 kg vs. 750 g

Aber Gewicht ist ja nicht alles…

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Sorry für die schlechten Bilder, aber ich hatte keinen Bock auf großen Aufwand.

Dennoch denke ich, der Punkt ist leicht zu finden: nicht nur das Gewicht der Moderne ist nahezu doppelt so hoch. Auch der Formfaktor wie auch das umbaute Volumen ist nahezu doppelt.

Und da ich letzthin ja mal wieder gestraft war, etliche Stunden am Stück, mit zwei der modernen Exemplare inklusive affenartiger Zoomobjektive durch die Gegend zu hechten, ist es fast selbsterklärend, dass ich im Moment, wenn ich mal photographieren will (nicht muss) eher zur X-700 (oder gar der Plastik-Diana) greife als das “gute neue” Zeug mitzuschleifen.

Um das mal in prägnante Zahlen zu fassen: sechs Stunden mit zwei Bodies samt Zooms und Blitz, das addiert sich auf 2.5 kg (D3 + 24-70/2.8) + 0.6 kg (SB900) auf der linken Schulter und 2.8 kg (D700 + 70-200/2.8) auf der rechten Schulter hängend. Das macht nicht viel Spaß, sondern nur Nackenschmerzen (und jetzt möge bitte keiner auf die Idee kommen und so tolle neue Tragesysteme vorschlagen, die Kollege Sascha schon amüsiert zerpflückt hat).

Klar bin ich weit davon entfernt, die Qualität der Bilder miteinander vergleichen zu wollen. Da schlägt die D700 so ziemlich alles Analoge bei weitem (außer man hat einen sehr präzisen, aufwändigen und teuren Analog-Workflow). Aber warum muss heutzutage alles Neue immer in punkto Gewicht und Formfaktor so ausufern? Auch beim Vergleich 300SL zu 911 Turbo kommt da doch plötzlich eine halbe Tonne Mehrgewicht ins Spiel… wobei beide Alten zu ihrer Zeit genauso überragend waren, wie die modernen Äquivalente es in der heutigen Zeit sind.

Ist es der aktuelle Kundenbedarf nach immer mehr Features, Firlefanz und Gimmicks, der Kameras wie Autos heute so abartig größer werden lassen? Wobei doch die heutige Technik (mechanisch wie v.a. elektronisch) sehr viel kleinere Bauteile und gänzlich überlegene Baustoffe zu bieten hat. Es ist mir irgendwie nicht ganz klar. Und was mir wirklich gar nicht klar ist, warum die Hersteller heute nicht in der Lage sind, kompromisslose Produkte anbieten, die sich auf Kernfunktionalität beschränken und dadurch nicht mit übertriebenem Ballast aufwarten?

Beim Auto nehmen wir doch mal einen Lotus Elise: klein, leicht, unkomfortabel, aber die absolute Fahrmaschine und auf der Landstraße muss er sich auch vor einem 911 Turbo nicht verstecken. Klar, ein absolutes Nischenprodukt. Zum Kunden vorfahren oder auch nur die viel beschrieenen Brötchen holen, will man damit nicht. Aber es ist halt eine Fahrmaschine. Aber wo ist denn bitte eine vergleichbare Digital-Kamera? Ich seh keine. Kleiner werden sie wieder alle. Und die Qualität leidet oder die Handhabung oder beides. Okay, gut. Die Leica M9 hat gewiss das Potential, meine Wünsche nach klein, digital, leicht und außerordentlich gut zu erfüllen. Aber dank der Leica’schen Preispolitik ist da eine bescheidene fünfstellige Investition von Nöten… sorry, dieses Jahr nicht mehr, nächstes Jahr auch nicht. Gut, 2011 reden wir nochmal drüber… ;-)

Aber was ich damit eigentlich nur mal ins Feld führen wollte: nicht alles, was alt ist, ist schlecht. Es ist anders. Es hat viele Nachteile, die im modernen Leben nicht mehr akzeptabel scheinen. Aber sie haben in anderen Bereichen einfach Vorteile und Vorzüge, die scheinbar über die Jahre dem Kunden/Nutzer aberzogen wurden oder einfach durch Featureitis überspielt wurden.

Ich mag meine kleine Alte. Und auch wenn die Bilder bei weitem nicht so perfekt werden wie mit den Neuen: ich nehme sie häufiger mal mit und da sie klein und unauffällig ist, mache ich Bilder, die ich sonst nie gemacht hätte… btw, hätte jemand noch günstig eine angegraute Leica M6 abzugeben…? :-)

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