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Sturm der Enttäuschung

Die Wut des Mittags macht nun langsam der Enttäuschung Platz. Wie sollte ich auch weiter wütend sein? Vielmehr ernüchtert nun die Enttäuschung über eine Realität, die ich über Jahre nicht sehen wollte…

Seit 12 Jahren ist die Firma Teil meines Lebens. So sehr, dass ich sie schon als “meine” Firma betrachte, auch wenn ich, tendenziell zwar immer mehr, aber immer noch nicht das Sagen habe. Und doch habe ich mich über die Jahre von der Arbeit, dem Anspruch an das eigene Schaffen wie auch von den wirtschaftlichen Zwängen einer stetigen Expansion vollends vereinnahmen lassen.

Durch Arbeitspensum, Stress, Termindruck und einhergehendem ständigen “Unter-Strom-stehen” sind jetzt bereits zwei Beziehungen gescheitert, die Anzahl freudig-entspannter Momente im Leben ist auf gutem Weg zum Nullpunkt und es gibt wirklich nur noch ganz seltene Betätigungen und Momente, in denen das Leben noch wirklich lebenswert erscheint. Eine Betätigung, der es seit 20 Jahren gelingt, wieder Energie in den leeren Akku zu bringen, ist… das Klettern. Womöglich auch der Grund, warum ich und das Klettern überhaupt 20 Jahre zusammen überdauern konnten.

Nun ist in letzter Zeit das Klettern wieder zusehends bedeutsamer geworden. Das Gefühl echten Lebens kommt im Umfeld der körperlichen Betätigung, der mentalen Herausforderungen und der Freundschaft mit den Compadres halt erst recht zu Tage, wenn es ansonsten außen rum immer düsterer wird.

Aber obwohl das dem geneigten Beobachter klar sein müsste, wird dieser Umstand leidlich ignoriert. Warum nehm ich wohl (bis jetzt) 17kg ab? Warum komme ich inzwischen wieder auf 15 Klimmzüge? Warum gehe ich nach Möglichkeit zweimal pro Woche klettern? Weil ich es brauche.

Doch die Arbeit nimmt da keine Rücksicht. Die Kunden juckt es nicht. Die Projekte sind da nicht besser. Wie es mir geht bzw. wie ich mich am Funktionieren halte, ist mein ganz privat persönliches Ding. Aber wenn ich dann schon eine “Auszeit” proklamiere, dann sollte man meinen, dass es als Notwendigkeit wahrgenommen wird und nicht als “Urlaub aus Spaß an der Freude”. Aber weit gefehlt. 5 Urlaubstage in einem ganzen Jahr… das ist mein Wohlergehen nicht wert. Und das enttäuscht einfach. Wenn ich irgendwann vollständig ausgebrannt bin oder einfach per Infarkt das Zeitliche gesegnet habe, dann wird wehgeklagt, warum ich denn frühzeitig nichts dagegen getan hätte…

Ich habs versucht, aber es war nicht so wichtig wie das Wohlergehen der Firma.

Und doch, auch wenn die Firma einen Großteil meines Lebens einnimmt… Arbeit, und selbst Erfolg, kann nicht das ganze Leben sein, geschweige denn ein ausgeglichenes Leben ersetzen. Schlimm genug, dass ich so viele Jahre gebraucht habe, um zu dieser Erkenntnis zu gelangen…

2 Kommentare »

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    So wichtig ist keiner, dass er nicht mal 5 Tage fehlen kann. Pack Deinen Kram, Samstag früh ist Abfahrt. Punkt.

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  2. avatar
    dunkerandi sagte:
    03.10.2009 am 12:05
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    Jawohl ja… die Welt dreht sich weiter… Wie auch beim Training: Erholung ist das wichtigste!!! Und wenn ein Kunde mal fünf Tage später etwas bekommt, wird er auch nicht davon die Cholera bekommen. Höchstens nen Koller!! ;o)

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