Während stern.de uns heute mit einer sehr weitreichenden Neugestaltung seines Angebots überraschen konnte, ist es beim Spiegel wohl eindeutig dem Sommerloch zuzuschreiben, dass es stellenweise mit dem inhaltlichen Niveau in den Keller ging.
Stern.de war heute Mittag plötzlich nicht mehr der Stern, der einem so vertraut war. Eine umfassende Frischzellenkur sorgte bei mir zunächst für Verwunderung, gefolgt von milder Begeisterung und abschließender Attestierung von “Eiern in der Hose” der Entscheider, dass sie so einen drastischen Schritt in Richtung Moderne gewagt haben. Ob das neue Design den Online-Lesern gefällt, bleibt abzuwarten, aber ich persönlich begrüße es, jedoch jenseits des eigentlichen Erscheinungsbilds, eher im Sinne von “es wagt mal wieder jemand was”…
Spiegel Online versteckt sich jedoch tief im Sommerloch. Da kann die Bundesliga kaum helfen, dankbar war man wohl für die ETA-Bomben auf Mallorca, und aber auch der Taifun in China kann nicht übertünchen, dass in der Redaktion mal wieder tote Hose war. Jedenfalls kann ich nur so erklären, wie ein Artikel wie “Die erste Million: Spar dich reich” in das Online-Sammelsurium kommen konnte. Mal davon abgesehen, dass die besagte Million natürlich Myriaden von Lesern zum Lesen des Artikels bringt, aber das was dann drinsteht ist so dämlich, dass es um jedes KB Traffic schade ist.
Allen Ernstes empfiehlt Spiegel, zusammen mit einem Kölner Finanzunternehmen, dass man ja nur kräftig Sparen muss, um Millionär zu werden. Schön garniert mit einem Lebensmotto-Zitats des Herrn Piëch: “Reiche Menschen sind dadurch reich, dass sie weniger ausgeben, als sie einnehmen”. Ob da wohl mal ein Leser drüber nachdenkt, ob der Ferdi so ein tolles Geschwafel auch noch von sich geben würde, wenn er nicht zufällig als Enkel von Ferdinand Porsche schon stinkendreich geboren worden wäre??
Nun ja, aber wie meint dann Spiegel und der Finanzberater einhellig?
“Corsa statt Cayenne, Mallorca statt Mauritius”
Sorry, Thema verfehlt. Sechs. Setzen.
Wieso wollen wohl so viele Menschen Millionär werden? Hä? Um weiter Corsa zu fahren? Bullshit. Die wollen Cayenne fahren und die weite Welt jenseits vom Ballermann sehen… Was bringt denn (außer den Erben, natürlich) die Million auf dem Konto, wenn man sich die vom Mund abspart und selbst nix davon hat? Genau, nix. Nigges, nada, niente.
Also, Thema wohl mal total falsch angepackt. Die Menschen wollen nicht die sieben Stellen auf dem Konto sehen, wenn es ihnen dafür an allem mangeln soll. Eigentlich wollen Menschen genug verdienen, um sich den Luxus leisten zu können, den sie zu brauchen gedenken. Wenn es sein muss, dann halt auch Cayenne und Mauritius.
Ob dieser Artikel jetzt eher einen werblichen Charakter für die genannten Finanzdienstleister haben sollte oder bewusst lanciert wurde, um mir was zu bloggen zu geben, weiß ich nicht. Aber arm ist derjenige, der jetzt darin seinen “Weg zur ersten Million” sieht…
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