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Alles wie früher

In den letzten zwei Wochen hat mich das Klettern wieder in seinen Bann gezogen… im zwanzigsten Jahr meines Gekletteres wurde es aber auch mal wieder höchste Zeit.

Gut, wie lange die aktuelle Begeisterung anhalten kann, ist gänzlich offen, aber momentan ist es wieder so wie früher: Klettern (ein- bis zweimal pro Woche) und dann bis der Arzt kommt. Dazu täglich der Kampf gegen den Hunger. Denn ein paar (viele) Pfunde müssen schon noch purzeln. Die sieben Pfund von letztem Donnerstag ab, das langt bei meinem Übergewicht nicht so ganz. Da müsste ich jetzt noch zwei Monate damit weitermachen… Und da ich keine halbe Sachen machen kann (im Geiste, in Realität passiert das schon ab und an), muss es auch gleich wieder radikal sein. Dass es nur noch so geht, habe ich wohl zum einen meinen Lebensumständen zuzuschreiben, aber zu einem guten Teil bestimmt auch der Tatsache, dass in den letzten 20 Jahren mein Kampf- bzw. Krampfgewicht einem stetigen Auf und Ab folgte… teilweise mit Riesensprüngen von über 20kg innerhalb von zwei, drei Monaten. Nichts, was einem der Körper dauerhaft verzeihen würde. Zähle ich nur mal die drei radikalsten Diäten zusammen, dann hatte ich alleine durch diese 71kg abgenommen, ziemlich genau das Gewicht, das mir bei meiner Größe gut stehen würde. Ist aber auch weit vom Ist-Zustand entfernt…

Warum ich das erzähle? Okay, langsam. Beim Klettern am Donnerstag hatte ich mich nett mit Andis Freundin Annabelle unterhalten. Sie ist etwas kleiner als ich, sieht so aus wie man sich eine Kletterin vorstellen würde… und wiegt mal höchstens die Hälfte(!) von mir. Sie klettert noch nicht sehr lange, aber dafür richtig gut und hat Spaß dabei. Zumindest, wenn Sie oben ankommt ;-)

Aber… die Schwierigkeiten, die Annabelle gerade klettert, bin ich vor zwei Jahren auch noch wöchentlich geklettert. Und auch vor zwei Jahren hatte ich schon mein heutiges Gewicht. Mehr noch, vor 15 Jahren, als ich meinen Klettergewichtstiefstand bei 67kg hatte, kletterte ich nicht so gut wie noch vor zwei Jahren (was auch dem entspräche, wo ich jetzt wieder hin will).

Was sagt uns das? Und allen übergewichtigen Kletterbegeisterten da draußen?

Klettern macht Spaß, Klettern kann herausfordern und befriedigen, ungeachtet des eigenen Körpergewichts. Ob man sich nun in der Superschwergewichtsklasse bewegt oder eher ein Hungerharken ist. Klettern hält für Alle Herausforderungen bereit.

Nur den Schweren fällt es eben etwas schwerer, schwer zu klettern (man beachte die unterschiedliche Bedeutung von schwer; für den Satz hätte ich eigentlich 5 Euro in die Wortspielkasse zahlen und wegen seiner Tiefsinnigkeit 5 Bonuspunkte aufs Literatenkonto bekommen müssen).

Man sollte sich als Übergewichtler in ein paar Punkten etwas an die Gegebenheiten anpassen:

  • Technik ist der beste Freund aller Übergewichtigen. Was man mit guter Technik an mangelnder Kraft (in Relation zum Gewicht) wettmachen kann, ist einfach immens. Früher konnte ich noch 35 Klimmzüge machen, aber die erste erfolgreiche Begehung einer 7 gelang mir mit den Kraftreserven von drei, vier Klimmzügen und einem dreistelligen Gewicht… denn, Achtung: die Füße sind mehr als nur eine Stehhilfe! Und: Beweglichkeit ist keine Schande.
  • Der Halteapparat des Menschen ist nicht darauf ausgelegt, hundert Kilo an zwei Finger dauerhaft halten zu können. Das hat jetzt nichts mit Kraft zu tun, nein, es geht um Sehnen, Bänder und Gelenke. Die Belastungen in überhängenden und kleingriffigen Routen ist für Schwergewichte extrem. Demnach dürften dauerhafte Schädigungen nicht lange auf sich warten lassen. Also, wenn schwer klettern, dann technisch-senkrecht.
  • Dynamische Bewegungen meiden. Auch wenn es die Kraft zulässt, dynamische Bewegungen erzeugen momentane Belastungsspitzen, wenn man den nächsten Griff erreicht hat und dann die Schwerkraft wieder voll zuschlägt. Böse. Zu bevorzugen wäre kontrolliertes, statisches Klettern.
  • Idealerweise mit möglichst ähnlichgewichtigen Leuten zum Klettern gehen. Zum Einen passen die individuellen Kletterstile besser zueinander und zum Anderen begibt man sich nicht in Gefahr, indem man von einem unzureichend schweren Partner gesichert wird. Im Zweifel für die leichtgewichtigen Kollegen einen Ballastsack zum Sichern mitnehmen (kein Witz, kein Spaß; das ist todernst).

Warum sollte ich dann abnehmen, wenn ich so viel pro Schwergewichtsklettern zu vermelden habe?

Nun, einerseits bin ich zwar technisch um Welten besser als früher, aber bestimmt kein feinmotorischer Technikfuddler, andererseits gefällt mir der wenigdynamische Stil auch nicht so toll… aber als wirklich zwingender Grund: meine Gelenke und Bänder machen das mit dem Gewicht nicht mit. Und da dauerhaftes Klettern von Fünfern mich dann doch nicht glücklich machen kann, muss halt das Gewicht dem gewünschten Schwierigkeitsgrad angepasst werden. Spätestens dann, wenn sich im sechsten Grad (oder vielleicht demnächst auch etwas höher) die Ringbänder lauthals bemerkbar machen und die Schmerzen nach dem Klettern noch für Tage anhalten, dann muss ich halt mit den Pfunden runter. Basta. Aber es gibt ja auch Schlimmeres als Abnehmen…

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