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Plädoyer für Festes

Festbrennweite oder Zoom? Kommt darauf an. Je nach Situation haben Zooms wegen der Variabilität der Brennweite durchaus ihre gute Berechtigung. Aber wenn es die Situation erlaubt, dann sage ich ohne Zweifel: Festbrennweite.

Eigentlich habe ich mich mit meinem Wechsel zu Nikon aus der Festbrennweite verabschiedet. Denn Nikon kann bei Festbrennweiten nicht so wirklich viel bieten. Canon dagegen hat eine recht exquisite Auswahl an festbrennweitigem Glas. Insbesondere diejenigen mit dem L sind allesamt empfehlenswert. Schade eigentlich, aber ich hoffe ja, dass Nikon irgendwann ihre Festbrennweiten aufpoliert. Denn Offenblende 2.8 ist heutzutage wahrlich nicht mehr der letzte Schrei.

Meister der Festbrennweite findet man seit jeher in Solms, wo Leica zuhause ist. Leica bietet in der M-Reihe überhaupt kein Zoom an, allenfalls Objektive mit drei einstellbaren Festbrennweiten. Alles andere ist fest, hell, mechanisch jenseits jeder Diskussion… und schweineteuer.

Denn eigentlich sind die Festbrennweiten die günstigen und besseren Alternativen zu den günstigen Zoomobjektiven. Statt zwei Billigzooms im Kit sollte man eher zu drei Festbrennweiten greifen (z.B. 28mm, 50mm, 90mm), denn mit diesen kann man recht früh erfahren, wie das Objektiv den Unterschied zwischen einem mäßigen und einem guten Bild macht.

Insbesondere die aberwitzigen Festen von Leica sind ein Musterbeispiel für die optische Güte, die sich in jedem Bild widerspiegelt. Bei Offenblende schon scharf quer über das ganze Bild, wundervolles Bokeh… und dieses “Halo”, dieser besondere Schein, der insbesondere den ganz hellen Gläsern wie dem Noctilux angedichtet wird.

Und doch, meist sind die Bilder, die einen, unerklärlicherweise, besonders ansprechen mit einer hochwertigen Festbrennweite aufgenommen worden.

Aber neben den optischen Vorteilen, bieten die Festen noch folgendes:

  • Preis: die Festen sind günstiger als optisch vergleichbare Zooms
  • Offenblende: eine Offenblende von 1.x gibt es z.Zt. nur mit fester Brennweite. Zooms können da nicht mithalten.
  • DoF: mit den größeren Offenblenden bieten sie mehr Möglichkeiten zum Spiel mit der Tiefenschärfe
  • Gewicht/Formfaktor: Weniger Glas, weniger Gewicht. Eine Brennweite abzubilden bedarf weniger Aufwand als variable Brennweiten. Daher sind die Festen meist leichter (außer bei Lichtmonstern)
  • Erziehung: Feste zwingen den Photographen zur Bewegung. Denn man kann nicht einfach näher ranzommen. Man muss schon näher herangehen.
  • Schulung: mit einer bestimmten Brennweite wird das Auge des Photographen geschult, Entfernungen und das entsprechende Bildfeld für eine fixe Brennweite besser einschätzen zu können.

Nachteil ist und bleibt die geringere Variabilität und, dass man sich als Photograph mit dem “Weniger ist mehr”-Gedanken anfreunden muss. Aber wenn man darüber hinwegkommt, dann ist man auf dem besten Weg zum festen Seelenheil.

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