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Photographie – quo vadis?

Mit dem Siegeszug der digitalen Technik in der Photographie in Form von Handykameras, Kompakt-, Bridge- und digitalen Spiegelreflexkameras hat sich vieles grundlegend verändert. Die Anzahl der Fotografen hat sich exponentiell erhöht und viele, die zuvor nie etwas mit Photographie zu tun hatten, sind heute ambitionierte Amateure oder Semiprofessionelle…

Grundlegend bin  ich begeistert, dass dank Digital viele dem Hobby Photographie frönen können. Zumal ja auch ich erst wieder durch digitale Ausrüstung wieder zur Photographie fand.

Aber, wie bei vielen anderen Massenphänomenen, hat das digitale Zeitalter in der Photographie auch eine Schattenseite. Natürlich wurden noch nie so viele Bilder gemacht wie momentan. Fast jeder Haushalt in Deutschland hat mindestens eine Kamera im Haus, die Kameras in Handies nicht mal mitgerechnet.

Aber Masse ist ja nicht gleich Klasse. Dadurch, dass sehr viele photographieren, und es auch keinen limitierenden Faktor (z.B. monetären, durch Film- und Entwicklungskosten) mehr gibt, wird unendlich viel Bildschrott produziert. Dies sehe ich vergleichbar mit der Verbreitung des PCs. Es gibt die einen Anwender, die damit umzugehen wissen und andere, die ihn ohne auch nur grundlegendes Wissen einfach benutzen. Letztere haben Malware, Viren, Würmern und Spam erst Tür und Tor geöffnet und damit den Nutzen der privaten Computernutzung sehr negativ beeinflusst. Zu Zeiten als nur die wenigsten einen Computer besaßen und diese auch damit umzugehen wussten, war die virtuelle Welt noch sauber und in Ordnung.

Parallel dazu betrachtet, gab es zur Zeit der Analogphotographie sehr viel weniger Photographen und die Mehrheit derer wußten, was sie taten.

Heute ist das nicht mehr so. Aber es entstehen dennoch viele gute Bilder. Viele davon scheinen aber entstanden zu sein ohne dass der Photograph wusste was er tat. Aber Fehlversuche kosten nichts und dank “instant digital approval” lässt sich ein Motiv auch so oft photographieren bis es letzten Endes passt.

Was ich persönlich schlimm finde, ist, dass sich so viele Leute an ihren Bildern hochziehen. Auch wenn es nur zwei gute Bilder sind, dank Internet-Photocommunities wird dort ein enormes “Fishing for compliments” betrieben. Gerade die deutsche Fotocommunity fällt mir da immer wieder negativ auf. Viele Fotos und noch viele viele mehr Kommentare, wie toll und beeindruckend jedes einzelne Foto ist. Zwischen all den tollen Kommentaren aber auch immer wieder bitterböse Kommentare, die alle Bilder, außer denen des Autors, als schlecht oder sinnbefreit darstellen. Natürlich, wo viele Menschen auf ein Medium zurückgreifen um sich zu einer Gemeinsamkeit auszutauschen, wird es immer die unschönen Seiten geben, wie Neid, Missgunst oder einfacher ausgedrückt: natural born assholes.

Aber: ich empfinde, es wird schlimmer. Wenige wollen sich gegenseitig weiterhelfen. Kritik wird häufig schnell offensichtlich abwertend. Natürlich um das eigene Schaffen dadurch aufzuwerten.

Beim reinen Hobbyisten ist das ärgerlich, denn ein Hobby sollte Spaß machen. Missgunst macht aber keinen Spaß. Aber auf der anderen Seite zweifle ich auch, dass Profilierungsneurotiker an der Photographie wirklichen Spaß empfinden.

Hässlich wird es jedoch, wenn die Photographie aus dem Hobby-Status entwächst und semiprofessionell betrieben wird, sprich damit Geld verdient wird. Photographie ist kein günstiges Hobby, es lassen sich zigtausende Euro versenken. Da liegt es nahe, dass man mit seiner Ausrüstung und seinem “Können” Geld verdient. Ab hier muss ich jetzt vorsichtig sein, denn schließlich verdiene ich mir meine Ausrüstung und ein bisschen mehr darüber hinaus auch mit der Photographie. Aber auch wenn ich versuche professionell zu agieren, wäre ich vermessen, wenn ich mich als Profi bezeichnen würde. Andere sind da sehr viel schmerzbefreiter. Drei gute Fotos gemacht und eine beeindruckende Anzahl an Ausrüstung und schon werden aus blutigen Amateuren über Nacht “Profis”. Und das sind dann vielfach auch die, die für eine miese Stimmung untereinander sorgen…

“Hast Du gesehen, was der XY auf FC für neues Zeug hochgeladen hat? Ist ja grottenschlecht…”
“Der YZ kann doch eh nur Shoppen, keine Ahnung von echter Photographie.”
“Hat der mir doch echt den Kunden ABC weggeschnappt. Dafür habe ich ihm jetzt DEF abgeknöpft…”

Habe nur ich das Gefühl, dass es da um alles mögliche geht, aber nicht mehr um das Wesentliche: die Photographie, die Herausforderung gute Motive in guten Bildern festzuhalten?

Warum immer mit anderen wetteifern, statt seine eigene Begrenztheit zu überwinden? Warum sich gegenseitig Aufträge neiden, anstatt jedem das seine gönnen? Warum in einem Bereich, der Spaß machen soll, alles so ernst und verbissen sehen?

Professionalismus zeichnet sich nach meiner Meinung dadurch aus, dass man Spaß daran hat, sein eigenes Können objektiv einordnen kann, die Fähigkeiten anderer respektieren und anerkennen kann und dass man sich bei seinem Schaffen professionell verhält. Das bezieht sich auf die Bilder ebenso wie auf den Auftritt, das Verhalten, das Geschäftsgebahren. Und so sei es doch auch “Amateuren” gegönnt wenn sie Bilder verkaufen können, die früher nur “Profis” verkauft hätten. Wer über dieses Neidstadium nicht hinweg kommt, dem fehlt m.E. sowieso das Zeug zum “Profi”. Denn jeder Photograph bekommt eh nur die Kunden, die er verdient. Und ein echter Profi ist bestimmt nicht scharf auf die Aufträge, die ein Amateur bekommt. Aber das wird mal wieder eine ganz eigene Story.

Bleibt wie häufig festzuhalten: früher war alles anders und vieles besser. Aber letztlich ist es wie immer: die innere Einstellung entscheidet. Und so sage ich mir ganz eigennützig: jeder soll machen wie er will, Hauptsache ich habe weiterhin meinen Spaß dabei.

6 Kommentare »

  1. avatar comment-top

    Jetzt darfst Du dreimal raten, warum ich aus der FC schon lange wieder ‘raus bin. ;)

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    brummelschlumpf sagte:
    09.06.2009 am 22:26
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    “Auch wenn es nur zwei gute Bilder sind, dank Internet-Photocommunities wird dort ein enormes “Fishing for compliments” betrieben.” – Lass doch den Anfängern mal das ein oder andere Kompliment. Das gibt Aufwind, ein wenig mehr zu probieren und vielleicht die Fotografie einfach mal irgendwann richtig als schönes Hobby zu betreiben. Dass man dadurch noch lange kein Profi ist, ist sicherlich (hoffentlich?) vielen selbst klar, aber deshalb darfst du denen doch das Hobby als Hobby nicht so schlecht reden – schließlich sollte jeder ein Hobby haben, nicht?

    Im Übrigen gab es “früher” mit Sicherheit auch schon viele viele Hobbyfotografen, die wild durch die Gegend geknipst hatten – da gab es allerdings noch keine Online-Plattformen, auf denen das Ganze breit getreten wurde. Da musste noch Nachbarn und Nachwuchs beim Dia-Abend herhalten… :-)

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    brummelschlumpf sagte:
    09.06.2009 am 22:27
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    Warum habe ich hier eigentlich diesen Avatar – obwohl ich den hier nie reingestellt habe? Kooperiert Wordpress mit geheimen Webseiten und infiltriert meinen Laptop? HILFE…

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    Christian sagte:
    09.06.2009 am 22:47
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    Das Geheimnis dürfte http://en.gravatar.com/ sein…

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    Christian sagte:
    09.06.2009 am 23:02
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    So klar scheint es vielen nicht zu sein. Nicht falsch verstehen, ich will Niemandem das Hobby verleiden. Ganz im Gegenteil. Denn viele Hobbyisten machen tolle Bilder, die niemand missen mag. Aber bei einigen Neu-Profis scheint die Selbstüberschätzung immens um sich greifen. Denn Bescheidenheit und das Wissen um Gut und Schlecht kann einen erst richtig gut machen. Und das ist ja nicht nur beim Photographieren so.

    Auch wenn jeder doch tun und lassen soll, was er mag, bei manchem Profi frage ich mich halt schon, welche Bilder ihn zum Profi qualifizieren. Und selbst wenn jemand für die Bilder bezahlt. Profi ist eigentlich nur der, der davon zu 100% sein Einkommen erzielt… und der sich zudem professionell verhält. Und dazu gehört auch eine gewisse Bescheidenheit…

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  6. avatar
    brummelschlumpf sagte:
    11.06.2009 am 23:12
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    Das stimmt auch wieder. Außerdem: Wenn man im Normalfall eigentlich bescheiden ist, macht es das Angeben ja viel lustiger. ;-)

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