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Inhaltliche Manipulation?

Als Fotojournalist ist man ja irgendwie der Wahrheit verpflichtet. So sollte man meinen. Manche Kollegen sehen das wohl etwas freizügiger.

Ich hacke ja ungern auf Kollegen rum, aber manches mal findet man (oder wird darauf gestossen) Sachen, die dem normalen Leser schon nicht ganz stimmig erscheinen können und einem Fotografen schon gar nicht.

Dieser Artikel, den die Solidaritätswebsite der Mahle freundlicherweise auch noch hostet, schreit förmlich die inhaltsverändernde Manipulation durch Eingreifen des Fotografen heraus. Gut, dass das nicht nach einer “spontanen Kundgebung” aussieht, fällt ja mal sofort auf. Kundgebungen sehen irgendwie anders aus, zumal auf einer neuen “Stufe des Protests”.

Dass die da alle zusammen in Reih und Glied stehen und alle nett in die Kamera lächeln, hat doch eher etwas von einem Gruppenbild aus der Jugendfreizeit (Dank an Sascha für diesen treffenden Vergleich).

Also entweder den Fotografen gehen die Ideen aus oder aber der (Bild-)Redaktion im Main-Echo ist gerade mal total wurscht, was auf dem Foto ist, Hauptsache, es ist was Buntes auf der Seite.

Dass man “Kundgebungen” auch anders rüberbringen kann und sollte, ist wohl offensichtlich.

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Okay, das ist nicht die Mahle in Alzenau, sondern war die VAC in Hanau… aber dafür war es dort ja nur ein Warnstreik und keine Arbeitsniederlegung als neue Stufe des Protests…

Aber vielleicht ist das ja bei der Mahle inzwischen nach Wochen des “Kampfes” ja auch eher zum Ferienlager verkommen…?

Zumindest zeigt es aber dennoch mal ein sehr grundlegendes Problem, dem sich ein jeder journalistisch tätiger Fotograf stellen muss:

Was ist Realität? Verändere ich Stimmung, Personen, Handlungen durch meine reine Gegenwart? Oder durch aktive Manipulation? Bin ich in irgendeiner Art voreingenommen? Zeige ich die vermeintliche Realität auf verzerrte Weise?

Natürlich ist kein Zeitungsknipser vollkommen, ist nie absolut neutral und auch keine höhere Instanz, die alles überblicken kann. Ganz im Gegenteil, kommt da noch ein wichtiger Aspekt aus einem weltberühmten Zitat hinzu:

If your pictures aren’t good enough, you’re not close enough.

Das sagte mal der berühmte Reportage-Fotograf Robert Capa. Oft missverstanden, meinte er damit nicht die räumliche Nähe zum Motiv, sondern die inhaltliche. Sprich also das Auseinandersetzen mit dem zu Dokumentierenden. Ja, nur kommen wir nun einem Dilemma auf die Schliche.

Beschäftige ich mich ausführlich mit einem Thema, um bessere Bilder zu machen, Bilder mit einem größeren Tiefgang, wird sich jeder sehr schnell seine eigene Meinung zu diesem Thema ausbilden. Und spätestens dann ist es vorbei mit Objektivität und damit auch mit der Dokumentation der Realität.

Von daher sollte es Prinzip sein, dass man zunächst möglichst unauffällig am Platz ist. Sowohl vom Erscheinungsbild, von der Gestik und vor allem hinsichtlich jeglicher Agitation gegenüber des vermeintlichen Motivs. Also kein “Stellen Sie sich doch alle mal auf die andere Straßenseite… und jetzt alle mal lächeln… Danke schön”, sondern das nehmen was da ist. Auch auf die Gefahr hin, dass es kein tolles Bild gibt. Die Wahrheit ist das höhere Gut, viel höher als eine schöne optische Täuschung…

Ich will z.B. nicht wissen, wieviele Leute beim Betrachten des o.g. Bildes mit lauter lächelnden Mahle-Mitarbeitern, die verzweifelte Lage und den verbitterten Gemütszustand der Mehrzahl der Mitarbeiter gänzlich falsch einschätzen. Die vor lauter optischer Fehlführung, wie ich oben, von einem Ferienlager sprechen, denn von dem Kampf um hunderte individueller Existenzen…

Das sollte dem einen oder anderen Fotografen und auch Bildredakteur wohl zu Denken geben…

1 Kommentar »

  1. avatar comment-top

    So, jetzt habe ich auch eine Demo fotografisch hinter mir. So richtig zufrieden bin ich mit dem Ergebnis aber nicht: http://hirnfasching.de/2009/05/23/demofotos/
    Hmm – mag mit der geringen Teilnehmerzahl zusammenhängen. *grübel*

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