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MP, Qualität und Wert

Sascha hat, angestossen von einem Artikel auf Luminous Landscape, eine interessante Abhandlung zum Thema “Preis und Wert von Kameras” verfasst. Ich denke, Rheker wie Reichmann, haben einen kleinen Faktor in ihren Überlegungen vernachlässigt: den Kundenfaktor.

Ich will mal alle Photographen, die nicht mit der Knipserei Geld verdienen, aussen vor lassen. Ob ein Amateur eine Kamera mit 21 MP braucht und dafür eine Menge Geld bezahlt, ist ausschließlich dem eigenen Ego anzulasten und damit persönliches Pech. Wenn ein Amateur mit gebrauchten 10 MP für 500 € glücklich wird, gut. Wenn er 8000 € für 21 oder 24 MP ausgibt, auch gut. Zumindest für Canon oder Nikon.

Für den Geldverdienenden spielt das alles eher eine Rolle, da es eine Geschäftsinvestition ist und kein Privatvergnügen. Doch da sollte neben den Faktoren Preis, Ausstattung, Bildqualität und Bildgröße noch das typische Klientel betrachtet werden.

Wenn ich normalerweise Bilder von den wochenendlichen Spielen der Fußballbezirksliga an eine Tageszeitung verkaufe, dann ist alles jenseits von 10 MP vergeudete Kaufkraft. Faktoren wie AF und Geschwindigkeit im Austattungsbereich und Rauschverhalten und Pixelqualität im Bereich Qualität sind dabei viel wichtiger als die schiere Anzahl an Bildpunkten. Viel mehr als 5 MP bringt die Zeitung eh nicht aufs Papier.

Bin ich Dokumentarfotograf und veröffentliche in Geo, National Geographic oder auch nur im Spiegel, dann darf es ruhig auch etwas mehr sein. So, dass halt auch eine A4-Doppelseite noch top aussieht. Wobei das mit 12 MP auch schon erreicht wird.

Bin ich ein Lifestyle-Shooter und beliefere die großen Stock-Agenturen mit Material, dann geben die meistens schon die Vorgabe wie groß sie das Material gerne hätten. Mag für manches schon übertrieben sein, aber da geht es halt erst ab 16 MP los. Macht evtl. ja auch Sinn, wenn jemand ein Stockimage für eine Plakatwand sucht.

Im Bereich Fashion- oder Produktfotografie wird ja seit jeher geklotzt und nicht gekleckert. Mittelformatboliden bis z.Zt. 60 MP sollen dort alle Details in Szene setzen (oder auch nicht). Ob die 60 MP auch nur jemals gebraucht werden, das ist zunächst auch egal.

So, dann ordnen wir doch mal die typische Hardware zu:

Der Sportreporter bekommt mal eine Canon 1D Mark II N mit 8.2 MP (Gebrauchtpreis ca. 1000,-). Das genügt ihm und bietet ihm einen hohen Wert für einen akzeptablen Preis. Wenn er ordentlich bezahlt wird, dann genügen ihm 25-30 veröffentlichte Bilder, um seine Kamera bezahlt zu haben.

Der Dokumentar darf sich mit einer Nikon D700 oder D3 ausstaffieren. In der Preisspanne von 2000 – 4000 € darf er aber gerne auch ein paar halbwegs große Bilder im Spiegel oder Geo haben, damit die Kamera ihren Preis wieder einspielt.

Der Lifestyler wird sich mit einer Canon 1Ds Mk III oder Nikon D3x rumschlagen, beide um die 8000,- zu haben. Da er Stock im Vorfeld produziert und danach erst verwertet, kann es sein, dass er drei Fotos oder 40 Fotos verkauft bis er seinen Kamerawert egalisiert hat.

Der Fashionmann ist mit digitalem Mittelformat unterwegs, z.B. einer Hasselblad H3D II 39, um mal eine zu nennen. Die schlägt z.Zt. mit ca. 18.000,- € zu Buche. Und wenn er sein Können gut verkauft, kann er die Kamera nach dem dritten Shooting bereits als Kostenpunkt abschreiben.

Aber worauf will hinaus?

Wenn ich als Kunde nicht über die Regionalzeitung hinaus komme und pro Foto 30 – 40 € bekomme, dann kann ich mir schnell ausrechnen welchen Preis eine Kamera haben darf, um einen angebrachten Return on Investment zu haben. Bekomme ich statt dessen für ein Modeshooting 10.000,- € kann der RoI gänzlich anders kalkuliert werden. Da kommt natürlich die Auftragsfrequenz wieder mit ins Kalkül. Kann der Sportreporter von 34 Spieltagen in einem Jahr ausgehen und er wird regelmäßig gebucht, dann ist das was anderes als wenn ein Photograph zweimal für Bademode an den Strand gebeten wird.

Also, meines Erachtens, spielt die Qualität der Bilder nicht eine halb so starke Rolle wie der Anspruch und die Entlohnung durch die Auftraggeber. Wenn ein Kunde Mittelformat-Qualität will und dafür bereit ist zu zahlen, ja dann macht die Investition in eine Kamera dieser Kategorie Sinn. Im Sinne der Dienstleistung am Kunden und im Sinne der Wirtschaftlichkeit. Wenn nur qualitativer Durchschnitt gewünscht und bezahlt wird, dann sei es drum.

Zumal wenn man mit 8.2 MP aus einer Canon 30D beim World Press Photo Award abräumen kann und die 2 MP aus einem iPhone für eine Titelseite der L.A. Times reichen… wer will sich denn da noch Gedanken machen. Entscheidend ist sowieso das Bild und nicht die Kamera.

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