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Nach Strich und Faden, Episode 2

Wir sind in der Rezession. Jeder weiß es, manche glauben es. Und manch andere packen schon zusammen. Aber nichts desto trotz, es geht ja nicht überall bergab. Zumindest müsste es das nicht.

Wir zum Beispiel haben viele Aufträge, es ist mehr als genug zu tun, und es gibt, wenn auch nicht glänzende, aber doch gute Aussichten auf das Jahr 2009.

Es wird viel zu tun geben. Ok, die Margen sind dünn, es wird nicht viel Geld verdient, aber die Maxime liegt ja auch im Deckungsbeitrag. Schwarz soll es unter dem Strich sein. Das ist ja schon mal was im Jahr der großen Rezession.

An sich sieht es auch gut aus. Die klassische Agenturarbeit läuft gut, ständig kommen neue Kundenkontakte zustande. Über die vielen, teils auch größeren, Projekte, die in Verhandlungen stehen, rede ich noch gar nicht. Es scheint sich rumzusprechen, dass es bei uns gute bis hervorragende Leistung zu günstigen, realistischen Preisen gibt.

Die Vermarktung der Golfclubs läuft auch langsam. Zwar ziemlich langsam, aber Vereinsmühlen mahlen halt auch etwas langsamer. Für dieses Jahr stünde eine Verdoppelung der betreuten Clubs im Vergleich zu 2008 an.

Und dann eruieren wir mit einem Geschäftspartner momentan noch ein weiteres lukratives Geschäftsfeld…

Klingt eigentlich ganz gut, wie ich finde. So sehen die Früchte aus, die ich sehen wollte. Seit Jahren expandieren wir. In Tätigkeitsfeldern, Personal, Kunden und Umsatz. Und wir sehen auch jetzt keine Veranlassung zu ruhen. Weiter gehts.

Aber das scheint unsere Hausbank etwas anders zu sehen:
“Expansion in der Rezession? Nein, danke. Nicht mit uns.”

Kurz und gut. Sie sind halt ängstliche Bänker. Keine Macher. Keine Weiterentwickler. Was kümmern mich 1000 Euro mehr oder weniger Guthaben auf dem Konto? Es ist ja nicht für Firlefanz ausgegeben, sondern in die Geschäftsentwicklung geflossen. Und wenn ich jetzt etwas verärgert klinge… ja, ich bin es.

Für was arbeite ich seit über 12 Jahren für viel zu wenig Geld viel zu viele Stunden, um aus einer früheren Werbe-One-Man-Show eine Werbeagentur mit 10 Mitarbeitern, x Geschäftsfeldern, zufriedenen Kunden, tollen Visionen zu machen und mir jetzt von der Bank anraten zu lassen, dass ich das jetzt besser mal sein lassen sollte, weil sie Angst haben den Weg mitzugehen.

Das Fatale daran ist ja, dass man mehr oder weniger auf sie angewiesen ist. Denn durch beständige Investition bleiben natürlich keine Unsummen am Ende des Jahres übrig. Aber der Ertrag scheint für die Bank das Wichtigste zu sein. Hätten sie das bei ihren Investmentgeschäften auch mal lieber etwas besser im Auge behalten…

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