Monatsarchiv

Archiv durchsuchen

August 2008
M D M D F S S
« Jul   Sep »
 123
45678910
11121314151617
18192021222324
25262728293031
Archiviertes

Neue Kameras und doch kein Fortschritt

Kann jetzt sein, dass ich mich täusche. Aber mit Canons neuer 50D und Nikons D90 sind gestern und heute neue DSLRs vorgestellt worden, von deren Qualitäten ich… naja, verwundert bis not amused bin. Und auch wenn ich es an sich leid bin, aber ein paar Worte werde ich wohl doch darüber verlieren.

Zunächst mal grob: Canons 50D hat einen 1.6er Crop- also APS-C-Sensor mit 15 MP drin. Und dennoch verspricht Canon herausragendes Rauschverhalten… Hm, meine 30D als Vor-Vorgänger hat gleiche Sensorgröße, nur ca. halb so viele Fotozellen und dann soll die Neue bis zu viermal höhere ISO-Werte abhaben können? Naja, warten wir es ab. Vielleicht hat Canon ja die Physik überlistet und es funktioniert. Oder es ist wieder nur Marketing-Bullshit und es funktioniert nicht, aber verkauft sich trotzdem.

Nikons Neue, die Amateur/Semi-Pro D90 kann jetzt auch HD-Video. An sich für einige rasende Reporter eine interessante Idee, v.a. hinsichtlich Multimedia-Slideshows, die ja zunehmend bei den (Online-)Verlagen Begeisterung hervorrufen. Wie gut das ist…? We will see…

Aber mal ganz ernsthaft. Hab nur ich das Gefühl, dass sich die Hersteller mit Feature-Reichtum an die Wand zu spielen versuchen? Und letztlich der Kunde vor der Wand steht, mit einem Produkt, das viel zu viel können soll, anstatt eines richtig zu können?

Wenn ich mir meine alte, analoge X700 anschaue, dann ist da ein Blendenring, ein Rad zur Wahl der Verschlusszeit, ein Ring zum Einstellen der ISO bzw. ASA und ein Knopf zum Auslösen (und noch zwei, drei die aber nicht mal zwingend nötig gewesen wären).

Kein 930000 Pixel-LCD, kein Liveview, kein Sensorcleaning, kein Phasen-Autofokus, kein HD-Video, keine ISO 12800, keine Blitzbedienung von der Kamera aus, keine Gesichtserkennung, kein Firlefanz…

Zum Fotografieren braucht es das nun wirklich nicht. Klar ISO 12800 würde manchmal Wunder wirken, aber das gabs früher auch nicht. Mit nem 18-200/3.5-5.6 macht das auch Sinn, wenn es hinten arg dunkel wird… aber dann sollte man sich ein 200/2.8er kaufen, fertig.

Je länger ich darüber nachdenke und das habe ich, sonst hätte ich gestern und heute je einmal schon dazu gebloggt, die 5D, so alt sie jetzt auch schon sein mag… das ist wenigstens noch eine Kamera. Genug drin und noch genug daran weg gelassen. Die erinnert in ihren Fähigkeiten und in ihrer Bedienung noch am ehesten an sowas wie ein Werkzeug… und hat nicht die Anmutung eines Spielzeugs…

Eigentlich kein Wunder, dass analoge Messsucherkameras wieder eine Renaissance erleben, Kameras mit denen man für jedes Bild noch arbeiten muss… aber wahrscheinlich stehe ich mit meiner Meinung dazu doch zu alleine auf weiter Flur, so dass sich die großen Hersteller mit ihrer Modellpolitik einen Scheiß darum scheren werden… und immer mehr Spielzeug und Schnickschnack herausbringen werden. Sei’s drum.

5 Reaktionen zu “Neue Kameras und doch kein Fortschritt”


  1. Sebastian

    “X700 [...] keine ISO 12800″:

    Da darf ich teilweise widersprechen. Filme wie den Kodak T-MAX P3200 gibt’s auch schon eine ganze Weile. Und wenn man wahnsinnig genug ist, kann man den auch auf 12.500ISO pushen, Kodak gibt sogar Entwicklungsdaten für den Push auf 25.000 an.
    Die Filmkörner wird man aber wohl bereits auf dem Negativ mit bloßem Auge zählen können. ;-)


  2. Christian

    Und Filmkorn mit bloßem Auge auf dem Negativ sehen zu können… wow, ja das will was heißen. Das gehört dann aber auch eher zur Abteilung: Kann man machen, muss man aber nicht.


  3. tron

    Ich bin da in Teilen Deiner Meinung: der IMHO größte (Miss-)Erfolgsfaktor ist der Typ hinter dem Sucher. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass, solange DSLRs die Menschheit noch nicht vollständig durchdrungen haben — also so etwas wie eine “Marktsättigung” beim Endkunden — wird erstmal weiter jedes denk- und umsetzbare Feature in solchen Knipsen verbaut werden. Im Grunde hat man heute ja ein komplettes Photolabor in der Hand.

    Du hast auf jedenfall verschiedene Optionen: von Zeter-und-Mordio-schreien bis zu zur-Kenntnis-nehmen-und-ignorieren. Da ich Dich an der Stelle eher als Handwerker einschätze (im Gegensatz zu einem Tech- und Gagdet-Nerd) empfehle ich, auf oben vermutete Sättigung zu warten, danach werden sich vermutlich die Hersteller herauskristallisieren, die _ihr_ Handwerk noch nicht verlernt haben und qualitativ hochwertige Handwerkszeuge mit solidem Funktionsumfang herstellen.

    Außer es entwickelt sich alles wie bei den Handyherstellern: nach dem Nokia 6210(i) gabs mE nie wieder ein richtig gutes Handy… ;-)


  4. tron

    “Eigentlich kein Wunder, dass analoge Messsucherkameras wieder eine Renaissance erleben, Kameras mit denen man für jedes Bild noch arbeiten muss…”

    Ich würde es so formulieren:

    Es hat seinen Reiz, wenn man unter Verwendung solider Technik eine überschaubare Anzahl von Parametern unter eigener Regie (und Verantwortung) verändern und so direkt und bewusst auf das Ergebnis Einfluss nehmen kann.


  5. Christian

    Ungeachtet etwaiger Marktsättigungen, ich glaube es ist bei mir auch gerade der Frust darüber, dass man ständig Tausende Euronen ausgeben müsste, um immer das technisch Beste in Händen zu halten… und dass das aus fotografischer wie betriebswirtschaftlicher Sicht gar keinen Sinn macht.

    Daher rührt wohl mein (unausgelebter) Hang zur analogen Mittelformatfotografie… so wie die Väter (und Großväter) es auch schon taten…

    Vergleiche ich die Analogie zur Computertechnologie, dann war der Zeitpunkt als ich Windows mit dessen Ressourcenbedarf und dem einhergehenden Aufgerüste zum Teufel jagte, ähnlich wie jetzt bei den Kameras. Und auch damals war es ein Systemwechsel, von der Moderne auf das eher antiquiert wirkende (das inzwischen aber nicht minder modern ist)…

Einen Kommentar schreiben

Du mußt angemeldet sein, um kommentieren zu können.