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Reportage vs. Paparazzi

Heute habe ich mir zur Entspannung die eineinhalbstündige Reportage “war photographer” von Christian Frei über den Photographen James Nachtwey gegönnt.

Nachtweys Werke, die in über 20 Jahren auf der ganzen Welt “ganz dicht dran” entstanden sind, zeigen in beklemmender Bildsprache die Tragödien, die Menschen durch Menschen ausgesetzt werden: Kriege, Gewalt, Armut, Elend, Hunger.

Auch wenn Nachtwey, wie die meisten Kriegsphotographen, nicht ganz unumstritten ist, zeigt er mit seiner Arbeit Bilder, die die Massenmedien-konsumierende, vergnügungssüchtige Öffentlichkeit sonst niemals zu Gesicht bekommen würde, niemals mit dem grundlegenden Elend von Menschen konfrontiert werden würde.

Auch wenn selbst er es inzwischen schon als schwierig bezeichnet, überhaupt noch veröffentlicht zu werden und sich die Abnehmer seiner Photoreihen wohl an einer Hand abzählen lassen dürfte, kommt dieser Art der Photoreportage m.E. immer mehr an Bedeutung zu.

Im krassen Gegensatz dazu, lief im Anschluß an Nachtwey auf VOX gerade die BBC-Reportage über Paprazzi. Wenn man dieses im direkten Kontext sieht, dann wird einem die wahre Perversion des Paparazzitums erst bewusst. Auch wenn Nachtwey ab und an eine gewisse Paparazzihaftigkeit im Wettstreit um die dramatischsten Bilder unterstellt wird, ist das Hinterherjagen der echten Paparazzi nach kompromittierenden Bildern der Stars und Sternchen wirklich pervers.

Warum sollte jemand Paparazzi werden wollen? Klar, man kann ohne großes Können recht schnell gutes Geld verdienen. Auch die Arbeitsumgebung ist nicht mit Palästina, der Westbank oder dem Irak zu vergleichen. Aber wenn derjenige ein wenig Verstand besitzt und sein Tun und Handeln ab und an einer kritischen Betrachtung unterzieht, muss der Paprazzi sich doch selbst die Frage nach dem Sinn seiner Arbeit stellen. Kann es eine tiefgründige Befriedigung sein, die Glamour- und Celebrity-Geilen mit immer neuen Drogen zu versorgen? Ich denke nicht. Vielmehr noch finde ich es sehr befremdend. Einerseits von den “Dealern”, wie auch von den “Konsumenten”.
Dann kann ich doch eher mit der, wenn auch etwas naiven, Lebenswerkseinstellung Nachtweys sympathisieren, der mit seiner Arbeit, Menschen wachrütteln will, auf Mißstände aufmerksam machen will und dem Guten zum Sieg über das Böse verhelfen will.

Ein Weltverbesserer mit Blick durch die Linse auf die Mißstände der Welt. Bewundernswert, scheinbar unreal und doch zwingend eine genauere Betrachtung wert.

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