Nun entfachte Grass vor einigen Tagen ja selbst die wilde Diskussion um seine Vergangenheit bei der Waffen-SS. Dass er solange geschwiegen hat, mag ja vielerlei Gründe haben und auch er selbst alleine darf entscheiden, wann, wie und wem er seine Geschichte offenbart. Aber was daraus gemacht wird, ist zwischen lächerlich und heuchlerisch.
Die Geschichte ist nun mal wie sie ist. Und das Dritte Reich läßt sich, auch entgegen der stärksten Wünsche, nicht pauschal aus der Geschichte Deutschlands und aus der Geschichte der Deutschen löschen.
Ich möchte auf keinen Fall, die Generation freisprechen, die ‘33 bis ‘45 das NS-Regime unterstützt oder auch nur geduldet hat. Aber so sollte man sich doch die Mühe machen, die Menschen nicht alleine wegen ihrer Vergangenheit abzuurteilen.
Grass ist kein schlechterer Mensch als noch vor zwei Wochen, nur weil er mit der längst vergangenen Wahrheit ans Licht kam. Im Gegenteil, vielleicht hat ihn auch erst diese Zeit und seine Erfahrungen daraus zu einer derart außergewöhnlichen, literarischen Größe werden lassen. Also lasst den armen Günter endlich in Ruhe.
Nicht jeder Deutsche war ‘33 bis ‘45 ein Nazi und Massenmörder. Nicht jeder Israeli ist ein Menschenrechtsverbrecher und auch nicht jeder Amerikaner ist machtgieriger, dummer, neuchristlicher Rassist. Es sind eigentlich immer nur die Ausnahmen, die zur Vorverurteilung führen. Und nur weil jemand berühmt ist, gibt es keinen Grund ein Politikum daraus zu machen. Ich will gar nicht wissen, wieviele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens noch eine Vergangenheit haben, die niemand kennt…
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