Oder doch eher vorsorgliche Panikmache? Gestern wurde in London laut offiziellen Stellen ein Terroranschlag verhindert, der von den Ausmaßen mit dem von 9/11 hätte gleichziehen können. Islamistische Terroristen hätten drei oder sechs Verkehrsflugzeuge als Selbstmordattentäter mit eingschleustem flüssigen Sprengstoff in die Luft sprengen wollen.
Zunächst bin ich bei solchen Meldungen immer etwas skeptisch. Immerhin wurden die Terroristen nicht mit dem Sprengstoff vor dem Abflug in den Maschinen festgenommen, sondern inhaftiert aufgrund deren Plan dies in die Tat umsetzen zu wollen. Nun sind die Terrorfahnder ja eher Pessimisten und versuchen immer schon das Übel in der Entstehung auszumerzen, allerdings scheinen sie ab und an dabei etwas sehr forsch. Immerhin gibt es gewiss Millionen von potentiellen Terroristen, aber nur die wenigsten setzen dies in die Tat um. Und den Plan Flugzeuge mit Flüssigsprengstoff in die Luft zu bomben umzusetzen ist auch nicht gar so ohne. Immerhin muss so ein Flugzeug ja auch erstmal gesprengt werden. Und ich hab noch nie einen Passagier gesehen, dem es gestattet wurde einen 20l-Kanister mitzunehmen. Von daher bedarf es ja auch erst einmal einer gar garstigen Sprengstoffmischung, die bereits in geringer Menge massive Energie ausstossen kann. Da fällt mir im Moment, wohl mangelnder Chemie-Kenntnisse, gar nichts dazu ein. Ein kleines Loch in der Außenwand bringt ein Flugzeug nicht gleich zum Abstürzen. Ausserdem klingt der Plan die Flugzeuge über dem Antlantik zum Absturz zu bringen auch wenig geistreich… ebenso wenig geistreich im Übrigen wie die Twin Towers morgens um halb neuen ins Fadenkreuz zu nehmen, wo noch kaum jemand drin ist. Warum nicht die Flugzeuge direkt nach dem Start, quasi noch über London zur Explosion bringen? Warum nicht beim Anflug auf NY? Wieso niemanden, wegen fehlender Kamerabilder, daran teilhaben lassen?
Aber gut. Lassen wir das. Terrorfahnder tun ja an sich gut daran, wenn sie ab und zu mal einen Terror-Plot aufdecken. Das reaktiviert Volkes Angst wieder für eine Weile und die Terror-Prävention bekommt wieder mehr Steuergelder zugewiesen. Von daher sei es ihnen ja gegönnt.
Bleibt aber doch einmal mehr die Frage: ließen sich gut geplante Terroraktionen eigentlich verhindern?
Ich denke nicht. Zumal wenn die Terroristen anfangen würden, viel pragmatischer und simpler zu denken. Warum denn Verkehrsflugzeuge?
Warum nicht einfach einen ICE im Frankfurter HBF in die Luft jagen? Erstens lässt sich da unkontrolliert massig Sprengstoff mitnehmen (oder wurde schonmal jemandem der Koffer beim Einsteigen in den ICE durchleuchtet) und im Frankfurter Hauptbahnhof sind auch immer noch genug Opfer, die zur falschen Zeit einfach am falschen Ort sind… Geschätzte Opfer: >300, Aufwand: gering, Kosten: gering, Gefahr der Aufdeckung: kaum vorhanden.
Oder wenn es spektakulärer sein soll, einfach bundesweit Tanklaster oder Chemikalienlaster mit kleinen, handlichen ferngesteuerten Bomben ausstatten. Die müssten nicht mal sehr groß sein, da sie nur die Tankwand aufreissen und die Ladung in Brand setzen müssten. Verteilt auf die Zentren der Bundesrepublik der Reihe nach sprengen lassen… und BOOOM, das Chaos ist perfekt. Man stelle sich vor, direkt auf der A3, Höhe Offenbacher Kreuz oder Flughafen geht in einem grellen Feuerball ein Tanklaster hoch. 40 Autos drumherum sind direkt betroffen, weitere 100 durch eine beidseitige Massenkarambolage. Übel oder? Und dann der wirtschaftliche Schaden durch eine tagelange Sperrung der A3… Das dann noch in Köln, Hamburg, Bremen, München, Stuttgart, Berlin… zur Abwechslung auch mal in der Innenstadt oder der Stadtautobahn. Je nachdem wohin der Tanker dann halt fährt. Opfer: nicht abzuschätzen, Aufwand: mittel, Kosten: gering, Gefahr der Aufdeckung: mittel, Chance auf Verhinderung: kaum vorhanden.
Aber was ich damit sagen will: Terror ist nur eine Frage der Phantasie. Die Terrorfahnder können einfach nicht alles verhindern oder aufdecken. Zumal wenn die Terroristen auch bereit sind, für die Ausführung ihrer Pläne zu sterben. Dann gibt es reell betrachtet keine Chance zur Verhinderung. Aber zum Glück sind es eben die wenigsten, die ihre Pläne ausführen und zum Glück sind die wenigen auch nicht sehr einfallsreich.
Aber der Glaube an die rettenden Kräfte der staatlichen Anti-Terroreinheiten und Terrorfahnder ist ein Irrglaube. Sie mögen durch manche Aufdeckung die Hoffnung auf ihren Erfolg beflügeln, aber letztlich sind sie chancenlos.
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21.08.2006 am 21:52
Da will ich doch noch kurz einen Artikel von Spiegel Online hinterherschieben, der die Sache ganz interessant in Szene setzt. All die weil es sich dabei auch nur um eine Schwarz und Weiß Geschichte handelt. Und da behaupte noch jemand, dass die Spiegel-Autoren phantasielos wären…